Interview mit der Fahrdienstleitung

Unser Fahrdienstleiter und seine Stellvertreterin erzählen im Interview wie ihr Arbeitsalltag aussieht, welche besonderen Herausforderungen sie meistern und welche Eigenschaften für ihren Job unabdingbar sind.

Die Lebenshilfe Beförderungsdienst gGmbH fährt jeden Schultag die Kinder und Jugendlichen unserer Tom-Mutters-Schule morgens in die Schule und am Mittag oder Nachmittag, nach der Betreuung in der Heilpädagogischen Tagesstätte, wieder nach Hause. Die Fahrerinnen und Fahrer sind im ganzen Oberallgäu unterwegs, sammeln die Kinder direkt vor der Haustür ein und setzen sie dort wieder ab. Das verlangt eine Menge Organisation und Planung. Verantwortlich hierfür sind Friedrich Polz, Leiter der Lebenshilfe Beförderungsdienst gGmbH und seine Stellvertreterin, Monika Prestel. Nun geht es für beide bald in Rente. Im Interview erzählen sie, wie ihr Arbeitsalltag aussieht, was besondere Herausforderungen sind und welche Eigenschaften für ihren Job unabdingbar sind.

Frau Prestel, Herr Polz, wie lange sind Sie schon beim Beförderungsdienst der Lebenshilfe Kempten?
Monika Prestel: Ich bin seit knapp 13 Jahren dabei, ich habe im Januar 2008 angefangen.

Friedrich Polz: Ich bin seit 2002 beim Beförderungsdienst, am 1. Juni dieses Jahrs waren es genau 18 Jahre.

Was für einen beruflichen Hintergrund haben Sie?
Monika Prestel: Ich bin gelernte Bürokauffrau.

Friedrich Polz: Ich bin gelernter Kfz-Mechaniker und gelernter Bürokaufmann.

Was hat Sie beide jeweils bewegt, sich bei der Lebenshilfe beziehungsweise dem Lebenshilfe Beförderungsdienst zu bewerben?
Friedrich Polz: Ich habe meine Ausbildungen in einem Autohaus in Kempten gemacht und danach in einem kleinen Familienbetrieb gearbeitet. Nachdem es dort einen Eigentümerwechsel gegeben hatte, habe ich angefangen, mich nach neuen Herausforderungen umzusehen und bin auf die Stellenausschreibung für einen Fahrdienst- und Fuhrparkleiter des Beförderungsdienstes gestoßen. Bedingung war, dass der Bewerber aus dem Kfz-Gewerbe kommt und da dachte ich, das erfülle ich doch genau. Daraufhin habe ich mich beworben und am Ende gegen ca. 80 Mitbewerber durchgesetzt.

Monika Prestel: Ich habe davor in der Baubranche gearbeitet, aber das war nicht das, was ich dauerhaft machen wollte. Darum habe ich mich umgeschaut, war sozusagen „ganz locker“ auf Stellensuche. Bei der damaligen Stellenausschreibung für eine/n Sachbearbeiter/in zur Unterstützung des Fahrdienstleiters hat mich dann die Möglichkeit, mit Kindern arbeiten zu können, angesprochen. Vom Alter habe ich mir zwar nicht große Chancen ausgerechnet, aber ich dachte, probiere ich es trotzdem mal. Und ich bin bis heute froh, dass es geklappt hat.

Was sind die Aufgaben des Beförderungsdienstes?
Friedrich Polz: Grob gesagt: Alles, was bei der Lebenshilfe ein Kennzeichen und vier Räder hat, geht über unsere Schreibtische (lacht). Unser Hauptaugenmerk liegt auf der Beförderung unserer Schülerinnen und Schüler – das steht an erster Stelle. Sie müssen morgens pünktlich abgeholt und sicher zur Schule gebracht werden und mittags oder nachmittags wieder nach Hause.

Monika Prestel: Damit wir das gewährleisten können, haben wir einen enormen Planungsaufwand. In den Sommerferien herrscht bei uns Hochzeit. Sobald klar ist, welche Kinder wo abgeholt werden müssen, fangen wir an, Fahrer einzuteilen, Touren zu planen usw. Da reichen die sechs Wochen gerade so aus. Und oft ist es so: Wenn der Plan steht, ruft eine Familie an und berichtet von einem Umzug – und schon geht es wieder von vorne los.

Friedrich Polz: Neben der Schülerbeförderung verwalten wir den gesamten Fuhrpark der Lebenshilfe Kempten sowie die 25 Busse der gGmbH. Wir sind für die Fahrzeugüberwachung, Terminorganisation von Kundendiensten, TÜV, Reparaturen sowie die Wartung und Pflege aller Fahrzeuge verantwortlich. Außerdem kümmern wir uns um die Neubeschaffung von Fahrzeugen.

Monika Prestel: Und eine ganz wichtige Aufgabe ist die Personalführung. Die Lebenshilfe Beförderungsdienst gGmbH hat knapp 50 Mitarbeiter, für die die Leitung verantwortlich ist.

Wie sieht jeweils ein Arbeitstag von Ihnen aus? Was sind Ihre Hauptaufgaben?
Friedrich Polz: Mein Schwerpunkt ist die technische Seite. Ich schaue, dass alle Autos fahren, kümmere mich um Reparatur- oder Wartungstermine, Service, Reifenwechsel etc. Dazu muss der Leiter des Fuhrparks natürlich auch einen Überblick über die rechtlichen Vorgaben und Richtlinien für den Behindertentransport haben.

Monika Prestel: Ich kümmere mich überwiegend um den kaufmännischen und personellen Bereich. Ich bereite beispielsweise die Lohnkostenabrechnung vor, kümmere mich um die Kontrolle beim Betriebsarzt und mache alle Unterlagen für neue Kolleginnen und Kollegen fertig. Hier ist Fachwissen gefragt, es gibt viele Ausnahmeregelungen. Außerdem ist jeden Morgen einer von uns an der Tom-Mutters-Schule. Wenn die Kinder sicher angekommen sind, fährt jeder Fahrer kurz bei uns vorbei und bringt uns auf den neuesten Stand, zum Beispiel welche Kinder krank sind oder ob am Auto etwas nicht funktioniert.

Friedrich Polz: Unsere Hauptaufgabe ist die Sicherheit unserer Kinder und Fahrer. Das bedeutet, dass wir auch die Entscheidung treffen müssen, das aufgrund von schlechtem Wetter im Winter an einem Tag keine sichere Beförderung möglich ist und wir nicht fahren. Dieser Verantwortung müssen wir uns bewusst sein und der ordnen wir alles unter.

Welche Aufgaben/Aspekte Ihrer Arbeit gefallen Ihnen am besten?
Friedrich Polz: Mir gefällt die Abwechslung am besten. Jeden Tag kann etwas Neues passieren.

Monika Prestel: Genau, und natürlich unsere Kinder. Sie sind so dankbar und sie sind sehr offen und ehrlich: Entweder mögen sie einen oder nicht und gerade diese Ehrlichkeit macht sie und unsere Arbeit besonders.

Was sehen Sie als größte Herausforderung(en) Ihrer Arbeit?
Friedrich Polz: Die Auflagen und Normungen für den Transport von Menschen mit Behinderung werden laufend aktualisiert, da muss man sich regelmäßig auf den aktuellen Stand bringen.

Monika Prestel: Die geforderte Flexibilität. Es ist sehr abwechselnd, aber es macht festes Planen schwierig. Wir haben eine sehr hohe Präsenzzeit, es gibt hier kein Leben nach der Uhr.

Das uns alle dieses Jahr beschäftigende Thema ist Corona. Was für Folgen hat es für Ihren beruflichen Alltag?
Monika Prestel: Da mein Kollege zu der Zeit im Krankenstand war, habe ich Corona alleine managen müssen. In der Notbetreuung ging es noch. Als aber der Präsenzunterricht wieder startete, musste ich für zwei Wochen komplett neu planen, da immer nur die Hälfte der Schüler kommen konnte. Außerdem mussten wir Masken und Desinfektionsmittel besorgen. Auch jetzt herrscht in unseren Bussen Maskenpflicht, da wir den Abstand nicht einhalten können.

Die Lebenshilfe Kempten ist ein Verein, der sich für Menschen mit Behinderung hier in der Region einsetzt. Wie viel Kontakt haben Sie mit unseren Menschen mit Behinderung?
Friedrich Polz: Wir sind am Morgen und am Nachmittag oben an der Schule, helfen nach Schulschluss, wenn die Kinder in die Busse einsteigen und haben darum einen regelmäßigen Kontakt zu ihnen. Viele kennen wir vom kleinen SVE-Kind bis zum großen Schulabgänger, begleiten sie über einen langen Zeitraum.

Setzen Sie sich auch selbst hinter das Steuer unserer Busse/Fahrzeuge?
Monika Prestel: Natürlich. Zum Beispiel, wenn ein Fahrer spontan ausfällt oder gerade Not am Mann bzw. an der Frau herrscht. Beförderung steht vor allem anderen – schließlich kann man kein Kind stehen lassen.

Neben der Personalplanung und der Tourenplanung ist ein wichtiger Aspekt die Wartung und Instandhaltung der gesamten Fahrzeugflotte. Wie viel Zeit nimmt das bei Ihnen beiden in Anspruch und was für Tätigkeiten fallen hier an?
Friedrich Polz: Das nimmt viel Zeit in Anspruch. Wir erstellen beispielsweise Wartungspläne für alle Bereiche, damit sie wissen, an welchen Tagen sie welche Autos nicht nutzen dürfen. Außerdem besteht der größte Teil unserer Busse in der gGmbH aus Leasingfahrzeugen. Endet ein Fahrzeugleasing, müssen wir das Kontingent öffentlich ausschreiben, das ist viel (Papier-) Arbeit, die aber unerlässlich ist.

Was denken Sie, welche Eigenschaft(en) muss jemand für die Position des Fahrdienstleiters (Leiter Beförderungsdienst) und des stellv. Leiters mitbringen?
Friedrich Polz: Ein hohes Sicherheitsdenken muss bei beiden Stellen verinnerlicht sein, dazu technisches Verständnis, Organisationstalent und Flexibilität. Außerdem muss man sowohl mit unseren Kindern als auch mit den Eltern gut auskommen. Eine weitere wichtige Eigenschaft ist Teamfähigkeit. Wir beide haben unsere Schwerpunkte aufgeteilt, aber wir tauschen uns immer aus und können uns gegenseitig vertreten.

Monika Prestel: Eine gute Ortskenntnis ist ebenfalls sehr wichtig, insbesondere beim Planen der Touren. Ich glaube es wird ersichtlich, dass beide Stellen ähnliche Anforderungen haben, ich kann nicht das technische vom planerischen trennen. Wir suchen zwei echte Allrounder.

Welche Ratschläge haben Sie für Ihre NachfolgerInnen?
Monika Prestel: Man darf an keinem Ritual festhängen. Wenn ich beispielsweise immer eine Tasse Kaffee am Morgen brauche, kann mich das in der Früh überholen, wenn ich spontan eine Tour fahren muss. Ich kann nur raten, man darf sich auch in der Hektik nicht aus der Ruhe bringen lassen.

Friedrich Polz: Wir sind Überzeugungstäter. Bei uns geht es um die Kinder und alles andere steht hinten an. Das sollten sich auch unsere Nachfolger immer vor Augen führen.

Haben Sie schon Pläne für Ihren Ruhestand?
Monika Prestel: Ich habe einen Garten, handarbeite, fahre gerne Fahrrad oder wandere. In diese Richtung wird es gehen. Der Lebenshilfe werde ich natürlich ebenfalls verbunden bleiben.

Friedrich Polz: Ich finde immer etwas zum Basteln oder Schrauben und dann habe ich noch meine kleine Johanna. Und auch ich werde der Lebenshilfe treu bleiben und wenn unsere Nachfolger einmal Unterstützung brauchen, sind wird nicht aus der Welt.

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