am 24.06.2019

In Erinnerung an Alwin Hönicke

Alwin Hönicke

Mit Alwin Hönicke verlieren wir eine ganz besondere Persönlichkeit, die unsere Lebenshilfe wie kein anderer geprägt hat.

Die Lebenshilfe Kempten verliert mit Alwin Hönicke ihren früheren langjährigen Geschäftsführer, der unsere Lebenshilfe mehr als die Hälfte ihres Bestehens mit Herz, Verstand und großer Leidenschaft wie kein anderer geprägt hat. Wir verlieren einen überaus kompetenten und unermüdlichen Streiter für die Selbstbestimmung und Teilhabe von Menschen mit Behinderung. Gleichzeitig geht mit ihm ein warmherziger und humorvoller Mensch und guter Freund.

Schon einmal hieß es für uns Abschied nehmen, 2017 ging mit seinem so verständlichen Entschluss für den Ruhestand eine Ära in der Lebenshilfe Kempten zu Ende. Mehr als 25 Jahre war Alwin Hönicke das Gesicht unserer Lebenshilfe und gleichzeitig einer der profiliertesten Repräsentanten der Arbeit für Menschen mit Behinderung in Bayern.

Beim Abschied von seiner Lebenshilfe Kempten wurde in besonderer Weise spürbar, was Alwin Hönicke ausmachte: Für seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter war er mehr als ein guter Chef, er war Vorbild, Mentor und Freund. Für die Vorstandschaft der Lebenshilfe war Alwin Hönicke ein verlässlicher Partner und Garant für die gedeihliche Entwicklung der gesamten Organisation. Für die Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen in unseren Einrichtungen und Diensten war er ein Mensch, der ihnen allen zuverlässig zur Seite stand. Ihr Wohlergehen hatte immer Vorrang vor allen wirtschaftlichen Erfordernissen. Den anvertrauten Menschen war er trotz der inzwischen erreichten Größe der Einrichtung nahe. Wo immer es sein Terminkalender zuließ, besuchte er Veranstaltungen und Feste in den vielen Einrichtungen oder schaute einfach einmal spontan vorbei. Für jeden Menschen hatte er ein herzlich ungekünsteltes Wort, zeigte echtes Interesse und große Wertschätzung.

Alwin Hönicke war zutiefst überzeugt vom Leitbild der Lebenshilfe Kempten und trat unermüdlich dafür ein. Stets war er sich bewusst, dass die Grundlage aller Entscheidungen und allen Handelns gemeinsam getragene Grundüberzeugungen bilden müssen. Alwin Hönicke hatte die Gabe, Menschen zu begeistern und auf neuen Wegen mitzunehmen. Sein innovatives Denken und seine Entscheidungsfreudigkeit führten nicht selten zu vielbeachteten neuen Wegen und einer Vorreiterfunktion für spätere Entwicklungen in ganz Schwaben und darüber hinaus. Bereits 1995 entstand in Kempten das erste Ambulant Betreute Wohnen in Schwaben, 1996 folgte die erste Seniorentagesstätte. Mit der Stabsstelle Marketing und Fundraising wurde vor nunmehr bereits 20 Jahren in der Lebenshilfe Kempten eine in Schwaben seinerzeit einzigartige Funktion geschaffen. 2004 folgte die Gründung des Autismus Zentrum Allgäu, aus dem bereits einige Jahre später der Zusammenschluss mehrerer schwäbischer Lebenshilfen zum Autismus Zentrum Schwaben resultierte.

Alwin Hönicke setzte auch überregional auf die Kraft der Gemeinsamkeit. Seiner Überzeugungsfähigkeit ist es zu verdanken, dass sich die schwäbischen Lebenshilfen trotz aller Unterschiedlichkeit vor Ort bereits 1990 in der Bezirksarbeitsgemeinschaft der Lebenshilfen in Schwaben organisiert haben. Eine Organisation, die ihm sehr am Herzen lag und die er in seiner langjährigen Funktion als Bezirkssprecher mit aller Kraft unterstützte. So entwickelte sich die Arbeitsgemeinschaft zu einer festen Größe in der sozialen Landschaft Bayerns, sie sichert der Lebenshilfe erfolgreich Gehör und wichtiges politisches Gewicht im Dienste der betroffenen Menschen.

Mit seiner starken und glaubwürdigen Persönlichkeit hat Alwin Hönicke unglaublich viel für seine Lebenshilfe und damit für Menschen mit Behinderungen und deren Familien erreicht. Sein guter Ruf als Motor für innovative Konzepte, seine überzeugende, hartnäckige und auch kämpferische Verhandlungsführung gegenüber staatlicher Stellen und Kostenträgern machten ihn zu einem sehr geachteten und gelegentlich auch gefürchteten Gesprächspartner.

Resümierend zitierte Alwin Hönicke einmal Marie Curie: „Man merkt nie, was schon getan wurde, man sieht immer nur, was noch zu tun ist.“ Umso schöner war es zu erleben, wie sehr er doch im Sommer 2015 das 50-jährige Jubiläum der Lebenshilfe Kempten genoss. Ein überaus buntes, fröhliches und geselliges Fest, das so ganz in seinem Sinne Menschen mit Behinderung, ihre Familien aber auch die der Lebenshilfe so verbundene Bevölkerung unserer Heimat in den Mittelpunkt gestellt hat. Gemeinsam durften wir mit Alwin Hönicke mit Freude und Stolz auf Erreichtes zurückzublicken, gleichzeitig aber auch schon wieder mit Mut und seinem so ansteckenden Tatendrang in die Zukunft und auf neue Aufgaben und Herausforderungen schauen.

Umso betroffener machten uns die letzten Monate seiner Tätigkeit, die bereits von schwerer Krankheit gezeichnet waren. Mit großem Respekt durften wir erleben, mit welch bemerkenswerter Tapferkeit und großem Gleichmut er seinen Weg ging.

Es ist für uns alle überaus schwer, zu akzeptieren, dass wir Alwin Hönicke nicht mehr haben. Wir trauern mit seiner Familie, die ihn in seinem großen Engagement für seine Lebenshilfe so vorbildlich unterstützt hat. Seiner Frau und seinen Söhnen wünschen wir viel Kraft, wir wissen, dass Sie einen ganz besonderen Menschen verloren haben.

Für die Lebenshilfe Kempten, für unsere Menschen mit Behinderung und ihre Familien, für unsere Vorstandschaft mit dem 1. Vorsitzenden Bernhard Schmidt und dem Ehrenvorsitzenden Klaus Meyer, für unsere Geschäftsführerin Christine Lüddemann und für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sagen wir herzlichen Dank für all das, was Alwin Hönicke für uns getan hat. Er hat in den Erinnerungen von uns allen tiefe Spuren hinterlassen.

Lebenshilfe Kempten e. V.

Bernhard Schmidt, 1. Vorsitzender
Klaus Meyer, Ehrenvorsitzender
Christine Lüddemann, Geschäftsführerin

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